A9 ein typisches Walliser Debakel
Mittwoch, 22. April 2009

Schweizweit gibt es kein neues Autobahnstück, dessen Projektierung so schlecht und unkoordiniert verlaufen ist wie die Strecke Leuk - Brig. Dabei hätten die Verantwortlichen im Wallis von den Erfahrungen in der übrigen Schweiz lernen können, weil die Autobahn im Oberwallis am Schluss des Nationalstrassenprogrammes gebaut wird. Mit viel Glück konnte das Schicksal bei der A9 in Visp noch zum Guten gewendet werden - durch die Südumfahrung. Diese Wende kam von aussen, nicht vom Baudepartement in Sitten. Das Walliser Tiefbauamt hat zusammen mit seinem CVP-Staatsrat die meisten brisanten Fakten dem Oberwalliser Volk verschwiegen - zum Teil wurde den Bauunternehmen vor Ort ein Maulkorb aufgezwungen - der Baudirektor wusste wieso: um nicht abgesägt zu werden! Machen wir eine Reise von Gamsen nach Leuk auf dem A9 Trasse:

  1. Das Tunnelportal in Eyholz kommt in eine Halde mit Lockergestein und Hängeschutt zu liegen. Für Fachleute ein krasser Fehler - sie haben die Walliser Dienststellen ermahnt, dass rund 100 m in Richtung Verbrennungsanlage sich eine perfekte Felswand für das Tunnelportal anbietet. Es wurden von diesen Spezialisten sogar Umplanungen vorgeschlagen - gegenüber dem heutigen Projekt. Die Walliser Dienststellen haben diese Chance verpasst - sie wollten nicht mehr umprojektieren und optimieren gemäss den Vorgaben der Spezialisten.
  2. Gehen wir weiter zum Tunnelportal im Staldbach. Auch hier waren die geologischen Gutachten der Walliser unbrauchbar. bis ein geotechnisches Büro aus Lausanne die Sache in rechte Lot zu rücken versuchte. Es hat den Walliser Technikern nicht geglaubt und tatsächlich nach ersten Analysen feststellen müssen, dass der Felsen nicht nach 100 m, sondern etwa nach 5oo m auftritt. Die Umplanung allein hat die Oberwalliser im Nadelöhr Staldbach-Eyholzportal ein Jahr Zeitverlust gekostet.
  3. Nicht die Geologie ist Schuld, dass die Kosten von 75o Mio CHF auf aktuell 1 500 Mio CHF angestiegen sind - als eine Verdoppelung - nein die Inkompetenz der kantonallen Dienststellen, die eine saubere Kostenerfassung hätten garantieren müssen. Praktisch alle Ingenieurhonorare basieren auf falschen Bausummen - das Chaos ist perfekt.
  4. Den Riedbertunnel würde man heute nicht mehr bauen, wenn man um die Bewegungen im Hang Bescheid weiss. Bevor der eigentliche Vortrieb für beide Röhren freigegeben wird, sind die gesamten Gelder aus dem Kostenvoranschlag bereits verbraucht. Der Vortrieb erlebte von Mitte 2005 bis Ende 2008 einen Stillstand - tote Baustelle im Innern. Im Freien hat man versucht weiter zu bauen - mit Tunnelportalverlängerung auf der Ostseite - als Gegenschüttung zum beweglichen Hangfuss. Mehrere Expertenteams sind seit Jahren hier am Werk. Kein Experte übernimmt die Verantwortung, was hier geschieht. Dabei hätte ein Brückenviadukt aussen herum nur etwa 10 % der heute zu erwartenden Tunnelkosten gekostet - und das noch ohne geologische Nachfolgeprobleme. Dass die Endkosten dreimal höher sind als ursprünglich angenommen, kann man dem CVP-Mann im Staatsrat inSion verdanken, dem Kantonsgeologen in Sion, dem Verantwortlichen aus der Westschweiz beim Astra und der Leitung A9 in Brig. Für das eigentliche Tunnelprojekt gab es über drei Jahre keinen Terminplan - also Stillstand total.
  5. Mit dem Verlauf der Unterführung in Turmann haben der Kanton Wallis und die A9 nichts Entscheidendes mehr beizutragen. Der Abschnitt westlich des Bahnhofs Turtmann ist im Bau - auf dem Ostteil wird zwischen der ARGE (Gruner AG Basel) und dem ASTRA an einer Beschleunigung des Verfahrens gearbeitet. Mit der jetzigen Methode im Westteil würde der Ostteil erst 2017 fertiggestellt - alle Abschnitte wären gebaut - nur in Turtmann hätte die Autobahn einen Unterbruch.
  6. Im Ostteil steht seit Jahren weit im Grünen eine Abfahrtsrampe - ca. 200 m lang - davor und danach weit und breit keine Baustelle - getreu dem Motto des abtretenden schwachen Baudirektors - wir bauen wo wir können. Schauen Sie sich die rostigen Anschlusseisen mal an - gegen jegliche Norm in der Baukunst.
  7. Der neue Baudirektor muss mit einer Flut von Klagen und Beanstandungen rechnen - der Bauenden und der Aufsichtsorgane.

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